Annahmen sind die Mutter jeder Katastrophe. Oder: warum Sie mehr gute (!) Fragen stellen sollten.

Fragen sind für uns etwas Selbstverständliches – denken wir. Aber fragen Sie sich doch einmal selbst, wie viele Fragen Sie am Tag stellen. Und jetzt ziehen Sie das nicht wirklich ernstgemeinte „Wie geht’s?“ und alle die Fragen ab, die einfach nur einer Einholung von sachlichen Informationen dienen oder bei denen Sie schon genau wissen, welche Antwort Sie hören wollen. Wie viele Fragen stellen Sie dann noch? Ich tippe mal nicht so sehr viele. Das ist normal. Denn Fragen, die ehrlich am Gegenüber interessiert sind, sind zwangsläufig offen in ihrer Antwort und das macht unsicher.

Wer fragt, der macht ein Fass auf.

Ein Fass ist groß und tief. Es ist nicht zu sehen, was genau darin ist. Greift man hinein, ist nicht sicher, was man in der Hand hält, wenn man sie wieder heraus zieht. Ein Gurkenfass z.B.: Sie greifen hinein mit der Absicht, viele kleine knackige Cornichons herauszuholen. Dabei haben Sie plötzlich eine große weiche Gurke in der Hand. Das fühlt sich nicht gut an.

Wer fragt, der stört

Eine andere Perspektive: Sie stellen eine Frage und merken, dass die Befragte sichtlich unangenehm berührt ist. Das ist Ihnen auch unangenehm und Sie fragen nicht weiter. Beide Personen fühlen sich unwohl und werden das Thema vielleicht umgehen. Das ist eine Störung in der Beziehung, die sich zu einem Konflikt ausdehnen kann, wenn die Situation nicht zeitnah geklärt wird.

Wer fragt, der führt.

Eine häufig gehörte Aussage. Sie verbindet Fragen mit Führen. Worin besteht der Zusammenhang? Wer fragt, nimmt das Gegenüber wahr als Wissender, als jemand, der eine eigene Perspektive auf das Thema hat. Wer fragt, befreit sich von der Vorstellung, alles selber wissen zu müssen und zu können. Wer fragt, löst Reflexionsprozesse aus. Mitarbeiter und Teammitglieder können eigene Lösungsansätze entwickeln.

Wer fragt, öffnet Räume.

Mit Fragen fische ich nicht nur weiche Gurken aus dem Fass. Ich kann auch Räume öffnen, Vertrauen schenken. Wenn ich einen anderen Menschen ehrlich etwas frage, dann interessiert mich seine Sicht auf die Welt, seine Perspektive auf ein Problem, sein Rat, seine Erfahrungen und seine Ideen. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass ein Mensch die Lösung eines eigenen Problems, mit dem er zu mir kommt, schon in sich trägt. Über Fragen helfe ich ihm, diese zu entdecken. Was bleibt ist das Bild eines guten Ratgebers und das ist meist stärker, als wenn ich selbst einfach meine Lösung präsentiert hätte.

Wer fragt, schafft Bewegung.

Wenn ich Fragen stelle, komme ich mit Menschen in Kontakt. Ich kann positive Beziehungen aufbauen. Darum geht es. Wir leben und arbeiten in Beziehungen. Unsere Kommunikation schafft diese Beziehungen – auch durch Fragen. Fragen stärken uns und unser Gegenüber. Ich erfahre viel mehr über den anderen und der andere fühlt sich gesehen. Das schafft gegenseitiges Verstehen.

Wer fragt, fordert Initiative.

Fragen können Schwert oder Schild sein. Wie will ich sie nutzen? Diese Frage sollte ich mir stellen, bevor ich frage. Angriff oder Verteidigung? Was soll meine Frage bezwecken? Und manchmal ist es sinnvoll, statt eine Aussage zu machen, eine Frage zu stellen? Wir üben Fragen stellen mit allen Führungskräften, die in unsere Veranstaltungen kommen. Sie probieren aus und erleben, wie schon nach kurzer Zeit, aus der ersten Irritation bei ihren Mitarbeitern eigene Initiative wird. Denn Mitarbeiter haben sich häufig daran gewöhnt, eine Lösung zu bekommen. Jetzt bekommen sie Raum sich zu zeigen, selbst an Lösungen zu arbeiten. Das entlastet gleichzeitig die Führungskraft (Spannend? Unsere nächsten Veranstaltungen finden Sie hier: Führungsfrage – Offene Veranstaltungen).

Fragen Sie.

Probieren Sie es aus. Es macht Spaß – und hat ungeahnte Ergebnisse.

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