„Aber, du musst doch noch…“ – was Erwartungen mit uns machen und wie Sie klare Grenzen ziehen

Der Frühling liegt in den ersten Zügen und das Osterfest steht direkt vor der Tür. Für viele Menschen bedeutet das wertvolle Zeit mit der Familie. Für ebenso viele bedeutet das: Erwartungsmikado in der Pro-Version. Denn: sobald uns etwas wichtig ist, entstehen bewusst oder unbewusst Erwartungen und Vorfreude bei allen Beteiligten, nur leider nicht die gleichen. Die Frage ist also: Wie nehmen wir die einzelnen Erwartungen auf und von welchen grenzen wir uns wie ab, damit das Miteinander gelingt?

Erwartungen sind gut – man muss sie nur erkennen

Erwartungen oder die sprichwörtliche Erwartungshaltung sind etwas vollkommen Normales und auch Positives. Denken Sie nur mal an Menschen, die vom Leben nichts mehr erwarten. Das sind meistens nicht die Menschen, mit denen wir besonders gerne unsere Zeit verbringen. Das tun wir gern mit Menschen, die etwas zu sagen haben, die einen Plan haben und die deshalb auch etwas von sich und anderen erwarten. Negativ wahrgenommen werden Erwartungen immer dann, wenn wir zum Spielball der Erwartungen anderer werden und damit gefühlt an Kontrolle einbüßen. Oder aber, wenn unterschiedliche Erwartungen nicht geäußert werden und dann aufeinander prallen und einen Konflikt nach sich ziehen.

Unterschiedliche Rollen – unterschiedliche Erwartungen

Wann das passiert und wie es uns damit geht, hängt mit dem Kontext und unserer eigenen Rollendefinition zusammen (mehr zum Thema Rollen erfahren Sie in unserem Blogbeitrag: „Was mache ich hier eigentlich? Oder: Die befreiende Wirkung der eigenen Rollenklarheit“). Als Führungskraft nehmen wir die Erwartungen, die von Mitarbeitern und den eigenen Chefs an uns gestellt werden, vollkommen anders wahr, als die Erwartungen einer uns fremden Person, die neben uns in der Straßenbahn sitzt oder die des Nachbarn zuhause. Eines jedoch ist allen Erwartungen gemeinsam: wie wir damit umgehen ist immer unsere Entscheidung. Doch diese Entscheidung setzt eine bewusste Wahrnehmung von Erwartungen und eine geschulte eigene Haltung voraus.

Eine klare Wahrnehmung führt zu klaren Grenzen

Seit einiger Zeit schwirrt für diese Wahrnehmung der Begriff Achtsamkeit durch verschiedenste Veröffentlichungen. Achtsamkeit meint zunächst einmal einfach die Konzentration eines Menschen auf sich selbst und das, was er in diesem Augenblick gerade tut. Dieser geübte, bewusste Blick auf sich selbst bietet die Möglichkeit auch eigene Erwartungen sowie Positionen und Bedürfnisse in Konflikten zu erkennen (mehr zum Thema Umgang mit Konflikten für Führungskräfte gibt es hier).

Ein erster Schritt zum achtsamen Umgang mit Erwartungen

Der erste Schritt für die Meisterschaft im Erwartungsmikado und die eigene Grenzziehung ist sicher der Gedanke, dass jeder Mensch seine eigenen Erwartungen hat und dass das in Ordnung ist. Davon ausgehend haben wir mit unseren „5 Schritten zu mehr Achtsamkeit“ einige Gedanken und Übungsvorschläge für Sie zusammengestellt, die Sie sich herunterladen und so immer darauf zugreifen können. Für Ihr Osterfest geben wir Ihnen noch zwei kleine Fragen mit auf den Weg, die wie Universalwerkzeuge funktionieren, um die eigene Position zu einer an sie herangetragenen Erwartung zu überprüfen: Kann, darf und sollte ich das jetzt tun? Und, was passiert, wenn ich es nicht tue? Formulieren Sie Ihre Antworten am besten mit Begründung und als Ich-Botschaft, denn die sind nach wie vor das beste Rezept gegen Konflikte. Wir wünschen Ihnen schöne Ostertage!

 

Hier gehts zum Download „5 Schritte zu mehr Achtsamkeit“

 

PS: Ein kleiner Nachtrag zum Thema Achtsamkeit und Weiterbildung.

Seminare können eine Pflichtübung sein oder aber ein Erkenntnisraum dafür, wie ich als Führungskraft zu bestimmten Themen stehe. In der Weiterbildung gibt es die Tendenz Seminare immer noch kürzer und noch kleinteiliger zu gestalten, bis hin zum so genannten Micro-Learning, das in kleinen Häppchen ein Lernen zwischendurch verspricht. Das kommt Arbeitnehmern im ersten Draufblick entgegen, kann sich am Ende aber als Trugschluss herausstellen. Denn: Bildung braucht Zeit. Gerade in unserem Zertifikatslehrgang „Führungs- und Innovationskultur“, der über ein halbes Jahr in fünf Modulen einen Rundumblick für Führungskräfte bietet, erleben wir immer wieder, dass Führungskräfte froh sind über ihre Investition an Zeit und Geld, weil sich am Ende tatsächlich etwas für sie selbst und ihre Perspektive ändert und sie nicht einfach nach einem Tagestraining einen neuen Ordner Informationen in den Schrank stellen können. Auch darin liegt Achtsamkeit: sich bewusst Zeit zu nehmen für die eigene Entwicklung. Es lohnt sich!

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