Digitalisierung. Alles wird digital – und wir?

Digitalisierung. Gut oder schlecht – kann und will ich hier gar nicht entscheiden. Digitalisierung findet statt, daher macht es für mich Sinn, sie zur Kenntnis zu nehmen und damit umzugehen.

Meine Wahrnehmung ist, dass jeder, den ich frage, etwas anderes unter Digitalisierung versteht. Dazu gehören auch die Teilnehmer der Blogparade „Digitale Gesellschaft“, zu der das SaarCamp 2017 passend zu seinem diesjährigen Schwerpunkt aufgerufen hat, und zu der ich hiermit gerne einen Beitrag leiste. Die Unterschiedlichkeit der Perspektiven ist gut so. Sie gibt vielfältige Einblicke und Ausblicke auf unsere Wirklichkeiten.

 

Zum Thema. Digitalisierung.

Einen Aspekt finde ich interessant:

Wenn Digitalisierung (auch) bedeutet, dass viele Elemente wie Geräte und Maschinen direkt miteinander kommunizieren, sprich, den Menschen nicht mehr als Vermittler brauchen, dann müsste für den Menschen mehr Zeit für andere Dinge zur Verfügung stehen.

Wenn ich diese Annahme angstfrei zur Kenntnis nehme und weiter denke, dann ist eine Frage für mich, was der Mensch mit dieser Zeit anfängt.

Wir Menschen sind soziale Wesen, abhängig von einem Gegenüber, abhängig von Kommunikation, von Beziehungen. Nur durch den Unterschied zu anderen nehmen wir uns als Persönlichkeit wahr.

Wir könnten die gewonnene Zeit nutzen,

  • für analoge soziale Kontakte mit Kollegen,
  • für persönliche Weiterentwicklung
  • für Weiterbildung.

 

Wie das Digitale den analogen Menschen braucht

Darin sehe ich eine positive Entwicklung, nachdem Mitarbeiter über Jahrzehnte dahingehend konditioniert wurden, maschinenähnlich und rational zu handeln. Menschen sind sehr schnell im Entweder-Oder-Denken, sehen leicht schwarz-weiß. Dabei entgehen ihnen die Zwischentöne.

Wenn digitale Prozesse das Rauschen im Hintergrund sind, dann muss der Mensch lauter und eindeutig werden, wenn er wahrgenommen werden will:

Statt der beliebigen Hochglanzkommunikation in sozialen Netzwerken, Position beziehen in analogen Beziehungen, statt optimierter Fotos ein ungeschminktes Gesicht. Eindeutigkeit und Klarheit bieten Reibungsfläche, die Kommunikation ermöglicht. Kommunikation von Mensch zu Mensch mit allen Stärken und Schwächen. Es entlastet, wenn ich sehe, dass der andere auch nicht sicher ist, ob seine Lösung die richtige ist. Es ermutigt mich, meine Gedanken und Ideen zu äußern.

 

Wie das Digitale Zusammenarbeit und Führungskommunikation verändert

In unseren Veranstaltungen erleben wir immer wieder, wie schwer es Führungskräften fällt, statt Anordnungen Fragen zu formulieren. Wenn sie es ausprobieren, sind sie häufig erstaunt, was ihre Mitarbeiter alles wissen und können, wenn sie ernst genommen und gefragt werden.

Viele Führungskräfte haben nur die Einbahnstraßen-Kommunikation kennengelernt: Ich sage dir, was du tust, statt ich frage dich, wie du es machen würdest. Damit erfahren sie nichts von den Kenntnissen und Erfahrungen der Menschen, die ganz nah am Produkt arbeiten.

Machen Sie mal ein kleines Experiment und versuchen Sie, Ihre Aussagen in Fragen umzuformulieren und beobachten Sie die Reaktionen Ihres Gegenübers. Wenn Sie wirklich zuhören, werden Sie überrascht sein.

An manchen Stellen und in manchen Teams braucht es dazu mehr Vorwissen, damit die gute Initiative nicht baden geht. Ab Mai 2017 bieten wir daher eine neue Weiterbildung für Führungskräfte an: Verträge zur Zusammenarbeit im Team als Instrument zur Auflösung von Widerstand in digitalen Veränderungsprozessen. In diesem Seminar zeigen wir Führungskräften, wie Sie gemeinsam mit ihrem Team über die veränderten Rollen und Aufgaben sprechen, die aus den digitalisierten Veränderungsprozessen entstehen. Dadurch machen sie aus dem Schreckgespenst Digitalisierung schnell einen Mehrwert für alle – mit ganz analoger Kommunikation.

 

Digitalisierung. Zeit für analoge Persönlichkeiten.

Digitalisierung ohne Widerstand anzunehmen, kann dazu verleiten, sich selber weiter zu entwickeln, wieder häufiger in direkten Kontakt mit echten Menschen zu treten. Digitalisierung kann die Hinwendung zu analogen Kontakten mit Mitarbeitern und Teammitgliedern unterstützen. Paradox? Chancenreich!

Führungskräfte werden bereits darin ausgebildet, wieder häufiger den direkten Kontakt mit ihren Mitarbeitern und Teammitgliedern zu suchen. Sie lernen, Beziehungen zu Menschen aufzubauen, sie nach ihren Bedürfnissen im Kontext ihrer Arbeit zu fragen und diese ernst zu nehmen. Fachkräfte werden ausgebildet, nicht nur rational zu argumentieren, sondern auch ihre Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Menschen können (und dürfen) sich die Zeit nehmen für ihre persönliche Weiterentwicklung. Die Frage ist nur – trauen sie sich?

 

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