Nachlese: Kapitän oder Teamplayer – wer ist Ihr Führungsvorbild?

Im August dieses Jahres haben wir im Führungsfrage-Blog zur Blogparade „Kapitän oder Teamplayer – wer ist Ihr Führungsvorbild?“ aufgerufen. Wir bedanken uns bei den Teilnehmern und wagen heute eine kleine Rückschau auf die Thesen und Ergebnisse.

Die Teilnehmerbeiträge

Der erste Beitrag erreichte uns von Claudia Weiler und ihrem Weiler-Seminare-Blog. In ihrem Beitrag „Führungsvorbilder“ setzt sich Claudia Weiler insbesondere mit der individuellen Wahrnehmung von Vorbildern und der persönlichen Entscheidung für oder gegen eine Führungskraft als Vorbild auseinander. Sie zeigt auf, dass es häufig einzelne Eigenschaften, Verhaltensweisen und Handlungsstrategien sind, die einen Menschen zum Vorbild für einen anderen machen und seltener die gesamte Person. Das wiederum hängt damit zusammen, dass Menschen sich andere zum Vorbild wählen, die etwas können, das sie selbst noch erreichen wollen.

Der zweite Beitrag zur Blogparade wurde eingereicht von Edmund Mastiaux vom Zentrum für Management- und Personalberatung in Bonn. In seinem Artikel „Führungsvorbilder sind richtig und wichtig!“ spricht sich Edmund Mastiaux eindeutig für die Übernahme der Vorbildfunktion durch die Führungskräfte eines Unternehmens aus. Dies begründet er mit der Orientierungsfunktion, die Führungskräfte damit für ihre Mitarbeiter übernehmen. Er betont anhand eines persönlichen Beispiels den bedeutenden Zusammenhang zwischen den Erwartungen einer Führungskraft an ihre Mitarbeiter und deren eigenem Vorleben des gewünschten Verhaltens.

Der Aufruf zu unserer Blogparade für diesen Sommer war inspiriert von der Vielfalt der Stimmen in Fachliteratur und Artikeln, die schnell darin sind, zu fordern, dass Führungskräfte ein Vorbild sein sollten, jedoch häufig die Antwort schuldig bleiben, wie diese Vorbildfunktion denn genau aussehen könnte. Dies lässt sich beispielsweise begründen durch die zwei Perspektiven, die hier aufeinander treffen: die persönliche und die organisationale Perspektive.

Führungskräfte und die Vorbildfrage

In unseren Erfahrungen aus den Gesprächen mit Führungskräften ist für sie die Frage „Wer ist für Sie ein Vorbild?“ häufig einfacher zu beantworten als die Frage „Was macht für Sie ein Vorbild aus?“. Denn tatsächlich ist für einen Menschen die Beziehung und die persönliche Bedeutung, die dem Handeln desjenigen gegeben wird, ausschlaggebend. Vorbilder als persönliche Vorbilder funktionieren als Pole für unseren inneren Kompass. Sie sind ein Bild für unsere Ziele, geteilte Vorstellungen und erstrebenswerte Wege und Möglichkeiten zu handeln, zu arbeiten und zu leben. Durch Erfahrung, Beobachtung und Zuhören lernen Menschen durch ihre Vorbilder Wege kennen, wie sie Probleme lösen und ihre Ziele erreichen können.

In Vorbildfunktionen, wie sie von Führungskräften übernommen werden sollen, spielt häufig die organisationale Perspektive eine wichtige Rolle. Führungskräfte stehen durch hierarchische Systeme an herausgehobenen Positionen. Ihr Handeln und die Art, wie sie kommunizieren beeinflusst die Arbeit, die Problemlösung und die Kommunikation ihrer Mitarbeiter. Da sie in dieser Organisation an die herausgehobene Position gestellt wurden, wird das Vorbildverhalten hier an den Maßstäben der Organisation ausgerichtet und gemessen. Die persönliche Vorbildsperspektive kommt hinzu.

Gerade in Kontexten neuer Formen von Arbeit wachsen durch die geringere Bedeutung der Hierarchie, die Auflösung von festen Teams und die interdisziplinäre und generationenübergreifende Zusammenarbeit diese beiden Perspektiven immer mehr zusammen. Gleichzeitig erweitert sich jedoch die Idee des Vorbilds, um den wachsenden Gedanken, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin das Unternehmen bestmöglich repräsentieren soll und dass grundsätzlich jeder Mensch von einem anderen etwas lernen kann. Eine Chance, den Blick zu weiten und auch Führungskräfte mal durchatmen zu lassen.

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